Ein Ohrloch richtig zu reinigen ist kein großer Aufwand, aber eine Pflegeroutine, die viele unterschätzen. Frisch gestochene Ohrlöcher brauchen regelmäßige Reinigung und sorgfältige Pflege, damit sie ohne Komplikationen verheilen. Aber auch ältere, längst verheilte Ohrlöcher können Probleme bereiten, wenn Hygiene vernachlässigt wird: Bakterienansammlungen, unangenehme Gerüche und Entzündungen sind die häufigsten Folgen.
Die gute Nachricht: Wer das Ohrloch reinigen möchte, braucht dafür keine teuren Pflegeprodukte. Mit den richtigen Mitteln und einer konsistenten Routine halten Sie Ihre Ohrlöcher dauerhaft sauber und gesund, egal ob Sie gerade erst gestochen haben oder seit Jahren Ohrringe tragen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie die Reinigung konkret funktioniert, welche Mittel geeignet sind, welche Fehler häufig gemacht werden und wann Sie besser einen Arzt aufsuchen sollten.
Frisch gestochene Ohrlöcher: Was Sie in den ersten Wochen beachten müssen
In den ersten Wochen nach dem Ohrlochstechen befindet sich das Gewebe in der Heilungsphase. Das ist die kritischste Zeit, in der Infektionen entstehen können. Die folgenden Punkte sind in dieser Phase besonders wichtig:
- Heilungsdauer einplanen: Ein Ohrloch im Ohrläppchen braucht in der Regel sechs bis acht Wochen, bis der Kanal äußerlich verheilt ist. Das vollständige Ausheilen des Gewebes dauert jedoch bis zu zwölf Monate. Knorpelpiercing (z. B. am Helix oder Tragus) heilen deutlich langsamer, oft erst nach sechs bis zwölf Monaten oder länger.
- Ohrstecker nicht vorzeitig entfernen: In den ersten sechs Wochen den medizinischen Anfangsstecker nicht herausnehmen. Wird der Stecker zu früh entfernt, kann sich das Loch in kurzer Zeit schließen.
- Hände vor jeder Berührung waschen: Berühren Sie das Ohrloch niemals mit ungewaschenen Händen. Keime aus dem Alltag gelangen sonst direkt in das noch heilende Gewebe.
- Auf Schwimmbad, Sauna und offene Gewässer verzichten: Während der Heilungsphase können Keime aus Schwimmbädern, Seen oder Saunen das frische Ohrloch infizieren. Ärzte und Stechstudios empfehlen, für mindestens vier Wochen auf entsprechende Aktivitäten zu verzichten.
Welche Mittel eignen sich zum Reinigen?
Für die Reinigung frisch gestochener Ohrlöcher und zur laufenden Pflege älterer Ohrlöcher gibt es bewährte Mittel, aber auch einige, die Sie besser meiden sollten.
Geeignete Mittel
- Sterile Kochsalzlösung (0,9 % NaCl): Die empfohlene Standardlösung für frisch gestochene Ohrlöcher. Kochsalzlösung reinigt sanft, desinfiziert leicht und reizt das Gewebe nicht. Erhältlich als Nasenspray oder Wundspüllösung in der Apotheke (z. B. Isotone Kochsalzlösung 0,9 %).
- After-Piercing-Lotion oder Pflegelösung: Viele Stechstudios und Juweliere empfehlen spezielle After-Piercing-Produkte. Diese sind auf das Gewebe abgestimmt und enthalten in der Regel desinfizierende und pflegende Wirkstoffe.
- Milde, parfümfreie Seife: Für verheilte Ohrlöcher und zur Reinigung des Ohrschmucks reicht eine milde, parfümfreie Seife vollkommen aus. Das Ohrläppchen und das Ohrloch beim Duschen kurz einschaumen, abspülen und gut abtrocknen.
Ungeeignete Mittel
- Alkohol (Ethanol, Isopropanol): Trocknet das Gewebe stark aus, verzögert die Heilung und kann das zarte Zellgewebe um das Ohrloch reizen. Für frische Ohrlöcher nicht empfehlenswert.
- Wasserstoffperoxid: Früher häufig empfohlen, gilt heute als überholt. Schädigt auch gesundes Gewebe und verlangsamt die Heilung.
- Betaisodona (Povidon-Iod): Zu aggressiv für die Langzeitpflege von Ohrlöchern. Kann zu Reizungen und Verfärbungen der Haut führen.
- Starke Parfüms, Haarspray und Make-up: Chemische Inhaltsstoffe können das Ohrloch reizen und Allergien auslösen, insbesondere wenn der Schmuck noch nicht gewechselt werden kann.
Ohrloch reinigen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die folgende Anleitung gilt für frisch gestochene Ohrlöcher in der ersten Phase der Heilung. Für ältere, verheilte Ohrlöcher ist die Routine deutlich einfacher (siehe Abschnitt weiter unten).
- Hände gründlich waschen: Waschen Sie Ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang mit Seife, bevor Sie das Ohrloch anfassen. Das ist die wichtigste Einzelmaßnahme gegen Infektionen.
- Kochsalzlösung vorbereiten: Erwärmen Sie die Kochsalzlösung leicht (auf Körpertemperatur), falls sie kalt ist. Das macht die Anwendung angenehmer und reizt das Gewebe weniger.
- Ohrloch befeuchten: Tränken Sie ein Wattestäbchen oder ein Stück sterile Gaze mit der Kochsalzlösung und tupfen Sie Vorder- und Rückseite des Ohrs vorsichtig ab. Alternativ können Sie eine Spray-Kochsalzlösung direkt auf das Ohrloch aufsprühen.
- Krusten vorsichtig entfernen: Kleine Krusten rund um den Stecker sind normal. Weichen Sie diese mit der Kochsalzlösung auf, bis sie sich von selbst lösen. Niemals abkratzen oder mit den Nägeln entfernen, da dabei die Wunde wieder geöffnet werden kann.
- Stecker vorsichtig drehen (nur wenn empfohlen): Manche Juweliere und Stechstudios empfehlen, den Stecker täglich um seine eigene Achse zu drehen, um Verwachsungen zu verhindern. Neuere Empfehlungen raten jedoch dazu, den Stecker so wenig wie möglich zu bewegen, da jede Bewegung die Heilung stören kann. Fragen Sie die Person, die Ihnen das Ohrloch gestochen hat, nach deren Empfehlung.
- Gut trocknen: Tupfen Sie das Ohr danach mit einem sauberen, trockenen Stück Zellstoff oder steriler Gaze trocken. Feuchtigkeit fördert Keimwachstum. Wattepads aus Baumwolle können Fasern hinterlassen, die sich um den Stecker wickeln.
- Reinigung zweimal täglich wiederholen: Morgens und abends reinigen reicht aus. Zu häufiges Reinigen trocknet das Gewebe aus und verzögert die Heilung.
Verheilte Ohrlöcher pflegen: Was ist nötig?
Wenn das Ohrloch vollständig verheilt ist, benötigt es keine aufwändige Pflegeroutine mehr. Dennoch entstehen ohne Basishygiene unangenehme Probleme, der bekannteste ist der sogenannte Ohrenkäse.
Ohrenkäse (fachlich: eine Mischung aus abgestorbenen Hautzellen, Talg und Bakterien) sammelt sich im Ohrkanal um den Schmuck an. Er riecht unangenehm und kann, wenn er nicht regelmäßig entfernt wird, zu Reizungen führen. Abhilfe schafft eine einfache Routine:
- Beim Duschen das Ohrläppchen mit milder Seife einschaumen und den Schmuck leicht drehen, um auch im Kanal einzuschaumen. Gründlich abspülen.
- Schmuck regelmäßig herausnehmen und reinigen: Reinigen Sie Ohrstecker und Ohrringe ein- bis zweimal pro Woche mit Seife und einer weichen Zahnbürste. Silber- und Goldschmuck können Sie in lauwarmem Seifenwasser einweichen.
- Kopfkissenbezug häufig wechseln: Das Kopfkissen nimmt Talg, Schweiß und Bakterien auf, die beim Schlafen direkt ans Ohr gelangen. Ein wöchentlicher Wechsel reduziert die Keimbelastung spürbar.
- Schmuck nur aus verträglichen Materialien tragen: Titan, chirurgischer Edelstahl (316L oder 316LVM), Niob, Glas oder 18-karätiges Gold sind für empfindliche Ohrlöcher am verträglichsten. Nickelhaltige Legierungen lösen bei vielen Menschen Kontaktallergien aus.
Häufige Fehler beim Reinigen von Ohrlöchern
Diese Fehler kommen immer wieder vor und können Probleme verursachen, die sich leicht vermeiden lassen:
- Zu häufig reinigen: Zwei Mal täglich reicht für frische Ohrlöcher. Wer fünf oder sechs Mal täglich putzt, reizt das Gewebe mehr als es reinigt.
- Stecker zu früh wechseln: Viele wechseln nach wenigen Wochen auf Modeschmuck. Das ist zu früh und erhöht das Infektionsrisiko erheblich, besonders wenn der neue Schmuck nicht aus verträglichem Material besteht.
- Mit ungewaschenen Händen anfassen: Der häufigste Weg für Keime ins Ohrloch sind die eigenen Hände.
- Krusten mit Gewalt entfernen: Krusten sind Teil des normalen Heilungsprozesses. Wer sie abreißt, reißt auch die darunter liegende, heilende Haut auf.
- Wasserstoffperoxid oder Alkohol verwenden: Diese Mittel gelten als überholt und sind für frische Ohrlöcher nicht empfehlenswert.
- Ohr nicht richtig trocknen: Ein feuchtes Ohrloch ist eine ideale Umgebung für Bakterien. Nach jeder Reinigung und nach dem Duschen gut abtrocknen.
Anzeichen einer Infektion erkennen
Leichte Rötung und ein geringes Wärmegefühl direkt nach dem Stechen sind normal und kein Grund zur Sorge. Eine Infektion zeigt sich durch folgende Symptome, die über die ersten 48 Stunden hinaus anhalten oder sich verschlimmern:
- Starke, anhaltende Rötung und Schwellung
- Eitriges oder gelblich-grünes Sekret (Pus)
- Starker Schmerz beim Berühren, der zunimmt statt nachlässt
- Übermäßige Wärme im betroffenen Bereich
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl
Bei diesen Anzeichen sollten Sie einen Arzt oder Hautarzt aufsuchen. Eine Ohrloch-Infektion lässt sich in der Regel gut mit einer lokalen antibiotischen Salbe behandeln, in schwereren Fällen auch mit Antibiotika in Tablettenform.
Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?
Die meisten Ohrlöcher lassen sich problemlos zu Hause pflegen. In einigen Situationen sollten Sie jedoch einen Arzt oder Hautarzt hinzuziehen:
- Die Infektion spricht nach 48 Stunden konsequenter Pflege nicht auf die Reinigung an.
- Es bildet sich ein Keloid (überschießendes Narbengewebe in Form eines Knötchens). Kelloide entstehen häufiger bei Knorpelpiercings und sind ohne ärztliche Behandlung kaum rückbildungsfähig.
- Sie haben eine bekannte Nickelallergie oder Metallallergie und bekommen trotz allergenarmen Schmucks Reaktionen am Ohrloch.
- Das Ohrloch ist eingewachsen oder der Schmuck droht, vom Gewebe umschlossen zu werden.
- Sie haben Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem. In diesen Fällen heilen Wunden langsamer und Infektionen können sich schneller ausbreiten.
Schmuck für empfindliche Ohrlöcher: Was ist wirklich verträglich?
Der falsche Schmuck ist häufig die Ursache für anhaltende Probleme am Ohrloch. Darauf sollten Sie beim Kauf achten:
- Titan (ASTM F136): Leicht, hypoallergen, nickelfrei und in der Medizin erprobt. Gilt als bestes Material für frische und empfindliche Ohrlöcher.
- Chirurgischer Edelstahl 316L oder 316LVM: Günstig und für die meisten Menschen verträglich. Enthält geringe Mengen Nickel, das jedoch durch die Stahllegierung gebunden ist und kaum freigegeben wird. Für stark nickelallergische Personen dennoch nicht ideal.
- 18-karätiges oder höheres Gold (750er oder höher): Verträglich für die meisten Menschen. 14-karätiges Gold (585er) enthält mehr Legierungsmetalle und kann bei empfindlicher Haut reagieren.
- Glas (borosilikatisches Glas): Vollkommen inert, hypoallergen und leicht zu reinigen. Beliebt in der Piercing-Szene für die Langzeitpflege.
- Vermeiden: Modeschmuck aus unbekannten Legierungen, nickelhaltiger Stahl, Messing, Kupfer und Kunststoffe, die nicht als medizinisch geeignet ausgewiesen sind.
Ohrschmuck richtig reinigen und pflegen
Ein sauberes Ohrloch beginnt mit sauberem Schmuck. Schmutzige Ohrstecker oder Ohrringe tragen Bakterien direkt ins Ohrloch und begünstigen Reizungen, auch bei längst verheilten Löchern. Diese Grundregeln helfen:
- Ohrstecker und Ohrringe wöchentlich reinigen: Nehmen Sie den Schmuck heraus, reiben Sie ihn mit einem in milder Seifenlösung getränkten Tuch ab und spülen Sie ihn unter klarem Wasser ab. Trocknen Sie den Schmuck vollständig, bevor Sie ihn wieder einsetzen.
- Silberschmuck polieren: Silber läuft durch Oxidation an und wird dunkel. Polieren Sie Silberohrringe regelmäßig mit einem speziellen Silberputztuch, um Anlaufflecken zu entfernen.
- Schmuck nicht im Bad oder an der Dusche lassen: Feuchtigkeit und Kalkablagerungen greifen viele Metalle und Beschichtungen an. Nehmen Sie Ohrringe vor dem Duschen heraus, wenn Sie nicht aus hochwertigen, wasserfesten Materialien bestehen.
- Getrennt aufbewahren: Bewahren Sie Ohrschmuck in einem weichen, trockenen Schmuckkästchen auf. Kratzer durch Kontakt mit anderen Schmuckstücken können Beschichtungen beschädigen und das Material für Bakterien anfälliger machen.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss ich mein frisch gestochenes Ohrloch reinigen?
Zweimal täglich, morgens und abends, ist die allgemeine Empfehlung für frisch gestochene Ohrlöcher. Verwenden Sie dabei sterile Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) oder eine spezielle After-Piercing-Lotion. Reinigen Sie nicht häufiger, da übermäßiges Reinigen das Gewebe reizt und die Heilung verzögert. Denken Sie außerdem daran, die Hände vorher gründlich zu waschen.
Warum riecht mein Ohrloch unangenehm?
Ein unangenehmer Geruch am Ohrloch entsteht durch Ohrenkäse: eine Ansammlung aus abgestorbenen Hautzellen, Talg und Bakterien im Ohrkanal um den Schmuck herum. Das ist bei verheilten Ohrlöchern normal und kein Zeichen einer Infektion. Abhilfe schafft regelmäßiges Einschaumen beim Duschen und das wöchentliche Herausnehmen und Reinigen des Schmucks. Auch ein häufigerer Wechsel des Kopfkissenbezugs hilft, da sich dort Bakterien ansammeln, die ans Ohr gelangen.
Kann ich mit einem frisch gestochenen Ohrloch schwimmen gehen?
Nein, das wird für die ersten vier bis sechs Wochen dringend abgeraten. Schwimmbäder, Seen, Meere und Saunen enthalten Keime, die in ein frisches, noch heilendes Ohrloch eindringen und Infektionen auslösen können. Auch Chlorwasser kann das empfindliche Gewebe reizen. Warten Sie, bis das Ohrloch äußerlich vollständig verheilt ist, bevor Sie wieder schwimmen gehen. Beim Duschen darf Wasser ans Ohr, spülen Sie das Ohrloch danach aber gut ab und trocknen Sie es sorgfältig.
Was tun, wenn das Ohrloch entzündet ist?
Leichte Rötungen und Schwellungen direkt nach dem Stechen sind normal. Wenn die Symptome nach 48 Stunden zunehmen, eitriges Sekret austritt oder Fieber auftritt, liegt eine Infektion vor. Reinigen Sie das Ohrloch weiterhin zweimal täglich mit Kochsalzlösung und suchen Sie möglichst bald einen Arzt auf. Entfernen Sie den Schmuck bei einer aktiven Infektion nicht eigenmächtig, da sich das Loch sonst schließt und die Infektion nach innen verlagert werden kann. Ein Arzt kann die Situation beurteilen und bei Bedarf antibiotische Salben oder Tabletten verschreiben.
Welches Material ist am besten für empfindliche Ohrlöcher geeignet?
Für empfindliche Ohrlöcher gilt medizinisches Titan (ASTM F136) als erste Wahl. Es ist vollkommen nickelfrei, leicht, körperverträglich und wird auch in der Medizin für Implantate eingesetzt. Ebenfalls gut verträglich sind hochwertiges Gold ab 18 Karat (750er) und borosilikatisches Glas. Chirurgischer Edelstahl 316L ist für die meisten Menschen ausreichend, für stark nickelallergische Personen jedoch nicht ideal, da die Legierung geringe Mengen Nickel enthält. Modeschmuck aus unbekannten Legierungen sollte für Ohrlöcher grundsätzlich gemieden werden.
Wie lange dauert es, bis ein Ohrloch vollständig verheilt ist?
Das kommt auf die Stelle an. Ein Ohrloch im Ohrläppchen verheilt äußerlich nach etwa sechs bis acht Wochen, das Gewebe im Inneren braucht aber bis zu einem Jahr zur vollständigen Regeneration. Knorpelpiercing (Helix, Tragus, Conch) heilen deutlich langsamer: sechs Monate bis zwei Jahre sind keine Seltenheit. In dieser Zeit sollten Sie den Schmuck möglichst selten wechseln und auf die regelmäßige Reinigung achten, um Komplikationen zu vermeiden.