Ein sauberes Ohrpassstück ist keine Frage der Ästhetik, sondern der Funktion und Hygiene. Cerumen, Hautschuppen und Feuchtigkeit setzen sich täglich im Ohrpassstück ab, verstopfen den Schallkanal und mindern die Klangqualität spürbar. Wer sein Hörgerät regelmäßig und richtig reinigt, verlängert dessen Lebensdauer und sorgt dafür, dass er wirklich alles hört, was er hören soll.
Viele Hörgeräteträger unterschätzen dabei, wie einfach die Pflege ist, wenn man die richtigen Hilfsmittel und eine klare Routine hat. Dieser Leitfaden erklärt, worauf es ankommt, was Sie täglich erledigen sollten und wann eine gründlichere Reinigung fällig ist.
Wichtig vorab: Aggressive Hausmittel wie Essig, Alkohol oder Zitronensäure haben bei Hörgeräten nichts zu suchen. Sie greifen Kunststoffe, Dichtungen und empfindliche Elektronik an und können das Gerät dauerhaft beschädigen.
Das richtige Zubehör für die Ohrpassstück-Reinigung
Bevor Sie mit der Reinigung beginnen, sollten diese Hilfsmittel griffbereit sein:
- Mikrofasertuch: Weich genug, um keine Kratzer zu hinterlassen.
- Hörgerätebürste: Wird meist beim Kauf mitgeliefert, mit weichen Borsten zum Lösen von Cerumen.
- Cerumenschlaufe oder Cerumen-Stick: Zum gezielten Freiräumen der Schallöffnung.
- Schlauchreiniger: Für HdO-Geräte mit Schallschlauch unverzichtbar, um Feuchtigkeit und Schmutz aus dem Schlauch zu entfernen.
- Reinigungstabletten: Für das Einlegen der Ohrpassstücke in Wasser, erhältlich beim Hörgeräteakustiker.
- Trockenbox oder elektrischer Trockner: Entzieht dem Gerät nach der Reinigung Restfeuchtigkeit.
Hörgerätespezifische Reinigungssprays sind optional, aber hilfreich, wenn das Ohrpassstück besonders stark verschmutzt ist. Achten Sie darauf, dass das Spray ausdrücklich für Hörgeräte freigegeben ist.
Täglich: Schnellreinigung des Ohrpassstücks
Zehn Minuten täglich reichen aus, um Ihrem Hörgerät dauerhaft guten Zustand zu erhalten. Führen Sie diese Schritte jeden Abend durch, nachdem Sie das Gerät abgenommen haben:
- Gerät abnehmen und Akku/Batterie entnehmen: Niemals mit eingesetztem Akku reinigen. Das schützt die Elektronik vor Kurzschlüssen durch Feuchtigkeit.
- Schallöffnung kontrollieren: Schauen Sie, ob Cerumen die kleine Öffnung am Ohrpassstück verstopft. Entfernen Sie es vorsichtig mit der Cerumenschlaufe oder einem Cerumen-Stick. Keine spitzen Metallgegenstände verwenden.
- Außenfläche abwischen: Wischen Sie das Ohrpassstück und den Hörwinkel mit einem leicht angefeuchteten Mikrofasertuch ab. Das Tuch darf nicht tropfnass sein.
- Bürste verwenden: Bürsten Sie mit der Hörgerätebürste über Öffnungen, Rillen und Kanten. Halten Sie das Ohrpassstück dabei mit der Öffnung nach unten, damit gelöster Schmutz herausfällt und nicht tiefer ins Gerät gelangt.
- In Trockenbox legen: Legen Sie das Hörgerät über Nacht in die Trockenbox. Elektrische Trockner arbeiten mit sanfter Wärme und Trockengranulat, das Restfeuchtigkeit zuverlässig aufnimmt.
Wöchentlich: Das Ohrpassstück gründlich reinigen
Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO) lässt sich das Ohrpassstück vom Schallschlauch trennen. Diese Trennung ermöglicht eine wesentlich gründlichere Reinigung:
- Ohrpassstück vom Schallschlauch abziehen: Drehen Sie das Ohrpassstück leicht und ziehen Sie es vom Schlauch ab. Merken Sie sich die Verbindungsseite, um es später korrekt wieder aufzustecken.
- Wasser und Reinigungstablette vorbereiten: Geben Sie lauwarmes Wasser in ein Glas und lösen Sie eine Reinigungstablette darin auf. Der aktive Sauerstoff, der dabei entsteht, löst Cerumen und tötet Keime ab.
- Einlegen und einwirken lassen: Legen Sie das Ohrpassstück und den Schallschlauch für mindestens eine Stunde, besser über Nacht, in die Lösung.
- Abspülen: Spülen Sie beide Teile danach gründlich mit klarem Wasser ab.
- Schlauchreiniger verwenden: Schieben Sie den Schlauchreiniger (einen dünnen Draht mit weichem Ende) durch den Schallschlauch, um Feuchtigkeitsreste zu entfernen.
- Vollständig trocknen lassen: Hängen Sie Ohrpassstück und Schlauch auf und lassen Sie sie an der Luft vollständig trocknen. Erst wenn keinerlei Feuchtigkeit mehr vorhanden ist, darf das Ohrpassstück wieder aufgesetzt werden.
- Wieder verbinden: Stecken Sie das trockene Ohrpassstück auf den Schlauch und verbinden Sie ihn mit dem Hörgerät.
Bei Im-Ohr-Hörgeräten (IdO) kann das Ohrpassstück in der Regel nicht abgetrennt werden. Hier beschränkt sich die Reinigung auf die tägliche Bürstenreinigung und das Abwischen.
Schallschlauch reinigen und wechseln
Der Schallschlauch verbindet bei HdO-Geräten das Hörgerät mit dem Ohrpassstück. Er verhärtet sich mit der Zeit und verliert an Elastizität. Außerdem kann sich im Inneren Feuchtigkeit ansammeln, die die Klangqualität beeinträchtigt.
- Reinigen Sie den Schlauch bei der wöchentlichen Reinigung mit dem Schlauchreiniger.
- Prüfen Sie den Schlauch regelmäßig auf Risse, Verfärbungen oder Verhärtungen.
- Wechseln Sie den Schlauch alle drei bis sechs Monate. Den passenden Schlauch erhalten Sie beim Hörgeräteakustiker.
- Niemals am Schlauch zerren, um ihn zu lösen. Das kann das Gerät beschädigen.
Häufige Fehler bei der Ohrpassstück-Reinigung
Selbst gut gemeinte Pflege kann das Gerät beschädigen, wenn man dabei Fehler macht:
- Alkohol oder Desinfektionsmittel verwenden: Alkohol löst die Kunststoffbeschichtung des Ohrpassstücks an und kann die Elektronik schädigen. Nur Wasser und speziell freigegebene Reinigungsmittel verwenden.
- Feuchtes Ohrpassstück wieder einsetzen: Selbst geringe Feuchtigkeitsmengen können die Elektronik des Hörgeräts kurzfristig oder dauerhaft beschädigen. Vollständige Trocknung ist Pflicht.
- Spitze Gegenstände in die Schallöffnung stecken: Nadeln, Zahnstocher oder Draht beschädigen die empfindliche Schallöffnung oder schieben Cerumen tiefer ins Gerät.
- Gerät unter fließendem Wasser abspülen: Ausnahme: Das Ohrpassstück wurde vollständig abgetrennt. Das Hörgerät selbst darf niemals nass werden, auch wenn es als wasserresistent gilt.
- Reinigung zu selten durchführen: Wer das Ohrpassstück nur gelegentlich reinigt, riskiert hartnäckige Verkrustungen, die das Klangbild dauerhaft beeinträchtigen.
Tipps für besonders hartnäckige Verschmutzungen
Wenn das Ohrpassstück trotz regelmäßiger Pflege stark verschmutzt oder die Klangqualität spürbar nachgelassen hat:
- Verlängern Sie die Einweichzeit in der Reinigungstablettenlosung auf mehrere Stunden oder über Nacht.
- Bürsten Sie das Ohrpassstück nach dem Einweichen erneut mit der Hörgerätebürste, um aufgeweichte Ablagerungen zu entfernen.
- Bei hartnäckigem Cerumen-Aufbau in der Schallöffnung wechseln Sie den Cerumenfilter. Diese kleinen Filter sind günstig beim Akustiker erhältlich und lassen sich mit dem mitgelieferten Wechselwerkzeug einfach tauschen.
- Wenn die Verstopfung nach diesen Schritten bestehen bleibt, sollten Sie einen Hörgeräteakustiker aufsuchen, anstatt mit Gewalt vorzugehen.
Cerumenfilter: Was sie sind und wann sie gewechselt werden müssen
Viele moderne Hörgeräte, insbesondere IdO-Modelle und Receiver-in-Canal-Geräte (RIC), sind mit einem Cerumenfilter ausgestattet. Dieser kleine Filter sitzt am Schallauslass und schützt die innenliegende Elektronik vor Cerumen.
Wann der Filter gewechselt werden sollte:
- Wenn der Klang leiser oder dumpfer wird, obwohl das Gerät gereinigt wurde.
- Wenn der Filter sichtbar mit Cerumen verstopft ist.
- Als Faustregel gilt: alle ein bis drei Monate, je nach individueller Cerumenproduktion.
Das Wechseln des Filters ist einfach: Das mitgelieferte Wechselwerkzeug hat zwei Enden. Ein Ende zieht den alten Filter heraus, das andere Ende setzt den neuen ein. Die genaue Vorgehensweise finden Sie in der Bedienungsanleitung Ihres Geräts oder beim Hörgeräteakustiker.
Wartung und Langzeitpflege des Hörgeräts
Über die tägliche und wöchentliche Reinigung hinaus gibt es einige Maßnahmen, die die Lebensdauer Ihres Hörgeräts deutlich verlängern:
- Feuchtigkeit vermeiden: Nehmen Sie das Hörgerät beim Duschen, Schwimmen und Saunagang ab. Auch übermäßiges Schwitzen kann problematisch sein. Eine elektrische Trockenbox schafft hier Abhilfe.
- Extreme Temperaturen meiden: Lassen Sie das Hörgerät nicht im Auto liegen, wenn im Sommer hohe Temperaturen herrschen. Wärme beschleunigt die Alterung von Akkus und Kunststoffen.
- Regelmäßige Fachinspektion: Lassen Sie das Hörgerät mindestens einmal im Jahr vom Hörgeräteakustiker warten. Professionelle Reinigungsgeräte wie Ultraschallbäder lösen auch tief sitzende Ablagerungen.
- Batterien oder Akkus korrekt lagern: Zinkluft-Batterien sollten bei Zimmertemperatur und trocken gelagert werden. Den Klebestreifen erst kurz vor dem Einlegen abziehen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen die häusliche Reinigung an ihre Grenzen stößt:
- Das Hörgerät klingt trotz gründlicher Reinigung dumpf oder leise.
- Der Schallschlauch zeigt Risse, ist verfärbt oder extrem steif.
- Das Ohrpassstück sitzt nicht mehr korrekt im Ohr oder drückt unangenehm.
- Im Gerät hat sich Feuchtigkeit gesammelt, die durch die Trockenbox nicht beseitigt werden konnte.
In diesen Fällen ist ein Besuch beim Hörgeräteakustiker der richtige Weg. Viele Akustiker bieten eine professionelle Ultraschallreinigung an, die in wenigen Minuten tief sitzende Ablagerungen löst, ohne das Gerät zu beschädigen.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich das Ohrpassstück meines Hörgeräts reinigen?
Täglich sollten Sie das Ohrpassstück mit einem Mikrofasertuch abwischen und mit der Hörgerätebürste von Cerumenresten befreien. Eine gründlichere Nassreinigung mit Reinigungstabletten ist einmal pro Woche empfehlenswert. Die regelmäßige Pflege verhindert hartnäckige Ablagerungen und erhält die Klangqualität dauerhaft. Viele Hörgeräteakustiker empfehlen zusätzlich eine professionelle Reinigung alle sechs bis zwölf Monate.
Kann ich das Ohrpassstück mit Alkohol desinfizieren?
Nein. Alkohol ist für Hörgeräte ungeeignet, da er die Kunststoffbeschichtung des Ohrpassstücks angreift, Dichtungen spröde macht und bei Kontakt mit der Elektronik zu Kurzschlüssen führen kann. Verwenden Sie ausschließlich Wasser und speziell für Hörgeräte freigegebene Reinigungstabletten oder -sprays. Diese sind beim Hörgeräteakustiker erhältlich und schonen das Material.
Was mache ich, wenn die Schallöffnung des Ohrpassstücks verstopft ist?
Verwenden Sie die mitgelieferte Cerumenschlaufe oder einen Cerumen-Stick, um die Schallöffnung vorsichtig freizuräumen. Schieben Sie nie spitze Gegenstände wie Nadeln oder Zahnstocher in die Öffnung, da diese die feinen Membranen beschädigen können. Wenn der Cerumenfilter verstopft ist, wechseln Sie ihn mit dem mitgelieferten Wechselwerkzeug. Bei anhaltender Verstopfung hilft der Hörgeräteakustiker schnell weiter.
Wie trockne ich das Ohrpassstück nach der Nassreinigung richtig?
Nach dem Abspülen mit klarem Wasser das Ohrpassstück und den Schallschlauch an der Luft trocknen lassen, mindestens einige Stunden, besser über Nacht. Tupfen Sie grobe Wasserreste mit einem sauberen Tuch ab. Verwenden Sie keinen Fön: Hitze beschädigt die Kunststoffteile. Elektrische Trockenboxen eignen sich hervorragend als ergänzende Maßnahme, ersetzen aber nicht das vollständige Lufttrocknen vor dem Wiedereinsetzen.
Wann muss der Schallschlauch gewechselt werden?
Der Schallschlauch sollte alle drei bis sechs Monate gewechselt werden. Wechseln Sie ihn früher, wenn er sich verfärbt hat, Risse zeigt, sehr steif oder hart geworden ist oder wenn die Klangqualität trotz gereinigter Schallöffnung nachlässt. Den passenden Ersatzschlauch erhalten Sie beim Hörgeräteakustiker. Das Wechseln des Schlauchs können Sie meist selbst vornehmen; bei Unsicherheit hilft der Akustiker.
Darf ich das Hörgerät mit dem Ohrpassstück in Wasser einlegen?
Nur das abgetrennte Ohrpassstück zusammen mit dem Schallschlauch darf in Wasser eingelegt werden. Das eigentliche Hörgerät, also das Gehäuseteil hinter dem Ohr, darf niemals mit Wasser in Berührung kommen. Prüfen Sie, ob sich das Ohrpassstück von Ihrem Modell trennen lässt, bevor Sie es in Wasser einlegen. Im Zweifel fragen Sie Ihren Hörgeräteakustiker oder lesen Sie die Bedienungsanleitung.