Kunststoffgläser sind heute in den meisten Brillen verbaut. Sie sind leichter als Mineralglas, bruchsicherer und lassen sich gut beschichten. Dafür sind sie empfindlicher gegenüber Kratzern und reagieren ungünstig auf falsche Reinigungsmittel. Wer seine Brille falsch putzt, riskiert Mikrokratzer auf der Oberfläche oder beschädigt teure Antireflexbeschichtungen.
Die gute Nachricht: Richtig gereinigt halten Kunststoffgläser jahrelang ihre Klarheit. Sie brauchen dafür weder teure Spezialprodukte noch großen Aufwand. Mit der richtigen Technik und dem passenden Hilfsmittel sind Fingerabdrücke, Schlieren und Staub in wenigen Minuten beseitigt.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Brille mit Kunststoffgläsern korrekt reinigen, welche Hausmittel funktionieren, welche Sie unbedingt vermeiden sollten, und wie Sie die Lebensdauer Ihrer Gläser erheblich verlängern.
Warum Kunststoffgläser besondere Pflege brauchen
Kunststoffgläser bestehen meist aus Materialien wie CR-39, Polycarbonat oder hochbrechendem Kunststoff (High-Index). Diese Materialien sind von Natur aus weicher als Mineralglas. Das bedeutet: Schmutzpartikel, die trocken über die Oberfläche gerieben werden, hinterlassen feine Kratzer. Diese Kratzer sind zunächst kaum sichtbar, addieren sich aber mit der Zeit und trüben die Sicht spürbar.
Dazu kommt, dass moderne Kunststoffgläser fast immer mit einer oder mehreren Beschichtungen versehen sind:
- Antireflexbeschichtung (AR): Reduziert Reflexionen, ist aber empfindlich gegenüber aggressiven Reinigungsmitteln und Alkohol.
- Kratzschutzschicht: Macht das Glas etwas widerstandsfähiger, schützt aber nicht vor grobem Einreiben mit trockenen Tüchern.
- Entspiegelung und Lotuseffekt: Besonders empfindlich gegenüber lösungsmittelhaltigen Produkten.
Das richtige Reinigungsmittel und die richtige Technik schützen diese Beschichtungen und erhalten die optische Qualität Ihrer Gläser langfristig.
Was Sie zum Reinigen benötigen
Sie brauchen kein teures Zubehör. Folgende Hilfsmittel reichen vollkommen aus:
- Lauwarmes Wasser: Das wichtigste Hilfsmittel überhaupt. Wasser löst Staub und lockert Fettflecken, ohne die Beschichtung zu gefährden.
- Mildes Geschirrspülmittel: Ein kleiner Tropfen eines einfachen, balsam- und feuchtigkeitscreme-freien Spülmittels reicht. Balsam-Spülmittel hinterlassen einen Schmierfilm auf den Gläsern.
- Mikrofasertuch: Das vom Optiker mitgelieferte Tuch ist ideal. Waschen Sie es regelmäßig, da sich Schmutzpartikel im Tuch festsetzen und beim nächsten Putzen Kratzer verursachen.
- Brillenreinigungsspray: Optionale Ergänzung, besonders für unterwegs. Im Handel und beim Optiker erhältlich, oft alkoholfrei formuliert.
Schritt-für-Schritt: Kunststoffgläser richtig reinigen
Folgen Sie dieser Anleitung, und Ihre Brille wird auch nach Jahren noch klar und schlierenfrei aussehen.
- Hände waschen: Waschen Sie zunächst Ihre Hände gründlich. Hautfett und Cremes von den Fingern übertragen sich sonst direkt auf die frisch gereinigten Gläser.
- Brille abspülen: Halten Sie die Brille unter lauwarm fließendes Wasser. Spülen Sie beide Seiten der Gläser sowie das Gestell, die Nasenauflagen und die Bügelgelenke ab. Das entfernt losen Staub und grobe Partikel, die beim Einreiben Kratzer verursachen würden.
- Spülmittel auftragen: Geben Sie einen kleinen Tropfen mildes Geschirrspülmittel auf Daumen und Zeigefinger. Reiben Sie es beidseitig auf den Gläsern und am Gestell ein, besonders an Nase und Gelenken, wo sich Körperfett ansammelt.
- Einmassieren: Massieren Sie das Spülmittel mit leichtem Druck und kleinen Kreisbewegungen auf beiden Glasseiten ein. Keine harten Reibbewegungen, kein Druck auf den Rand der Gläser, der die Fassung verbiegen kann.
- Gründlich abspülen: Spülen Sie unter lauwarmem Wasser, bis kein Spülmittel mehr vorhanden ist. Rückstände hinterlassen Schlieren und können die Antireflexbeschichtung angreifen.
- Abtrocknen: Tupfen Sie die Brille mit einem sauberen Mikrofasertuch trocken. Verwenden Sie ein weiches, fusselfreies Tuch und reiben Sie in kleinen Kreisen mit wenig Druck. Wischen Sie auch Nasenauflagen und Bügel sauber.
- Nachpolieren (optional): Wenn noch Schlieren sichtbar sind, hauchen Sie die Gläser leicht an (kondensierter Atem reicht) und polieren Sie mit dem trockenen Mikrofasertuch nach.
Hausmittel: Was hilft wirklich?
Viele Hausmittel werden für die Brillenreinigung empfohlen. Nicht alle sind geeignet, besonders nicht für Kunststoffgläser mit Beschichtung.
Geeignete Hausmittel
- Geschirrspülmittel (mild, ohne Balsam): Das beste Hausmittel. Günstig, wirksam und schonend gegenüber Beschichtungen. Darauf achten: kein antibakterielles, kein hautpflegendes Spülmittel verwenden.
- Haarshampoo (mildes, klares): Funktioniert als Alternative zu Spülmittel, wenn dieses gerade nicht zur Hand ist. Kein Conditioner-Shampoo verwenden.
- Lauwarmes Wasser alleine: Bei leichten Schlieren oft ausreichend. Gutes Trocknen mit dem Mikrofasertuch danach ist entscheidend.
Ungeeignete Hausmittel
- Glasreiniger (Sidolin, Windex): Enthält Alkohol und Ammoniak, die die Antireflexbeschichtung angreifen und die Gläser trüben.
- Zahnpasta: Ist zu abrasiv für Kunststoffgläser und hinterlässt Kratzer.
- Essig: Zu sauer für Beschichtungen, greift das Material an.
- Backpulver oder Salz: Stark abrasiv, verursacht Kratzer.
- Aceton oder Nagellackentferner: Löst Kunststoffbeschichtungen auf und trübt die Gläser irreversibel.
- Isopropanol (Reinigungsalkohol): Greift die Antireflexbeschichtung an. Auch wenn manche Brillenreinigungssprays geringe Mengen Alkohol enthalten, sollten hochprozentige Alkohollösungen nie direkt auf Kunststoffgläser aufgetragen werden.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Die meisten Brillen gehen nicht durch schlechte Qualität kaputt, sondern durch falsche Pflege. Diese Fehler machen besonders viele Brillenträger:
- Brille trocken abwischen: Auf einer trockenen Glasoberfläche werden Staubpartikel durch Reibung zu kleinen Schleifkörnern. Immer zuerst unter Wasser abspülen oder einen Reinigungsspray auftragen.
- T-Shirt oder Pullover verwenden: Viele Menschen wischen die Brille am Ärmel ab. Grobe Textilien, besonders synthetische, hinterlassen feine Kratzer. Nur Mikrofaser oder weiches Baumwolltuch verwenden.
- Papiertaschentücher oder Küchenpapier: Papier enthält Zellulosefasern, die schleifend wirken. Für Kunststoffgläser nicht geeignet.
- Brille auf den Gläsern ablegen: Legen Sie die Brille immer mit den Bügeln nach unten ab, nie auf die Gläser. Schon eine rauhe Oberfläche reicht, um die Gläser zu zerkratzen.
- Zu heißes Wasser: Wasser über 40-45 Grad Celsius kann die Beschichtung der Gläser lösen und das Kunststoffmaterial verformen, besonders bei dünnen High-Index-Gläsern.
- Brillenreinigungssprays mit Alkohol auf beschichteten Gläsern: Prüfen Sie, ob Ihr Reinigungsspray alkoholfrei ist. Alkohol löst manche Antireflexbeschichtungen ab.
Ultraschallreiniger: Lohnt sich der Kauf?
Ultraschallgeräte reinigen Brillen durch hochfrequente Schallwellen, die in einer Wasserflüssigkeit winzige Kavitationsbläschen erzeugen. Diese Bläschen lösen Schmutz, Fett und Ablagerungen aus kleinsten Ritzen und Fugen, ohne mechanischen Kontakt mit den Gläsern. Das Ergebnis ist eine gründliche, kontaktfreie Reinigung.
Ein Ultraschallgerät für den Heimgebrauch kostet zwischen 20 und 60 Euro und reinigt eine Brille in etwa 3-5 Minuten. Es eignet sich auch für Schmuck und andere empfindliche Gegenstände. Die meisten Geräte sind für Kunststoffgläser geeignet, solange das Wasser nicht zu heiß ist (unter 40 Grad Celsius halten).
Für Menschen, die ihre Brille täglich gründlich reinigen möchten oder empfindliche Gläser mit mehrfacher Beschichtung haben, ist ein Ultraschallreiniger eine sinnvolle Investition. Für die tägliche Schnellreinigung reicht jedoch die Methode mit lauwarmem Wasser und Spülmittel vollkommen aus.
Kratzer auf Kunststoffgläsern: Was tun?
Sind Kratzer erst einmal entstanden, lassen sie sich nicht vollständig entfernen. Angebote, die das versprechen, etwa Zahnpasta-Polieren oder spezielle Kratzerentferner, glätten den Kratzer höchstens optisch minimal, beschädigen aber gleichzeitig die Beschichtung rund um den Kratzer. Das verschlimmert die Situation langfristig.
Bei tiefen oder sehbeeinträchtigenden Kratzern führt kein Weg am Austausch der Gläser vorbei. Sprechen Sie mit Ihrem Optiker. Gläser können in vielen Fällen kostengünstiger ausgetauscht werden, als eine komplett neue Brille anzuschaffen.
Vorbeugung ist der beste Schutz: Die richtige Reinigungstechnik, ein Brillenetui für unterwegs und das Ablegen der Brille mit den Bügeln nach unten verhindern die meisten Kratzer dauerhaft.
Brillen sauber halten: Routinetipps für den Alltag
Wer seine Brille täglich trägt, sollte sie täglich reinigen. Denn Fingerabdrücke, Hautfett und Staub sammeln sich schnell an und trüben die Sicht. Folgende Gewohnheiten helfen:
- Morgens nach dem Duschen kurz unter lauwarmes Wasser halten und mit dem Mikrofasertuch abreiben. Das reicht für die Alltagsreinigung.
- Das Mikrofasertuch alle 1-2 Wochen bei 30 Grad waschen, ohne Weichspüler (Weichspüler hinterlässt Rückstände auf den Gläsern).
- Für unterwegs: ein kleines Fläschchen Brillenreinigungsspray und ein Mikrofasertuch in der Tasche griffbereit haben.
- Beim Aufsetzen und Abnehmen die Brille immer mit beiden Händen halten, um das Gestell nicht zu verbiegen und Druck auf die Fassung zu vermeiden.
- Beim Sport eine Sportbrille oder eine günstigere Zweitbrille verwenden, um die Alltagsbrille zu schonen.
Brillenetui und Aufbewahrung: So schützen Sie die Gläser im Alltag
Die richtige Aufbewahrung der Brille ist genauso wichtig wie die korrekte Reinigung. Viele Kratzer entstehen nicht beim Putzen, sondern beim Ablegen oder Transportieren.
- Brillenetui verwenden: Legen Sie die Brille, wenn Sie sie nicht tragen, immer in ein hartes Etui. Weiches Stoffetui schützt vor Staub, aber nicht vor mechanischem Druck. Ein hartes Etui schützt die Gläser auch dann, wenn etwas darauf fällt oder Sie in der Tasche wühlen.
- Nie auf den Gläsern ablegen: Legen Sie die Brille immer mit den Bügeln nach unten ab, nie auf die Gläser. Auch eine scheinbar glatte Tischfläche hat mikroskopisch kleine Unebenheiten, die bei Kontakt mit Kunststoffgläsern feine Kratzer hinterlassen.
- Separate Tasche für das Mikrofasertuch: Das Mikrofasertuch sollte sauber und staubfrei gelagert werden. Wenn es zusammen mit Schlüsseln, Münzen oder anderen Gegenständen in der Tasche liegt, nimmt es Schmutzpartikel auf, die beim nächsten Putzen Kratzer verursachen.
- Brille nie in der Hosentasche: Der Druck beim Sitzen kann das Gestell verbiegen. Außerdem sammeln sich in der Hosentasche Flusen und Schmutz, die die Gläser verunreinigen.
- Bei Sport und Handwerk: Legen Sie beim Sport oder bei handwerklichen Tätigkeiten die Alltagsbrille ab und verwenden Sie eine Schutzbrille oder eine günstigere Zweitbrille. Schweiß, Chemikalien und Stoßbelastungen schädigen sowohl die Gläser als auch das Gestell.
Ein gut gepflegtes Brillenetui und angemessene Aufbewahrungsgewohnheiten verlängern die Lebensdauer Ihrer Gläser erheblich, ohne dass Sie dafür extra Zeit investieren müssen.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich meine Brille mit Kunststoffgläsern in der Spülmaschine reinigen?
Nein, das sollten Sie auf keinen Fall tun. In der Spülmaschine herrschen Temperaturen von 50-75 Grad Celsius, die Kunststoffgläser und Gestellmaterialien wie Acetat oder dünne Metallteile irreversibel beschädigen. Außerdem ist das Spülmaschinentab viel zu aggressiv für Brillenbeschichtungen. Auch eine kurze Spülung bei niedrigen Temperaturen kann die Antireflexbeschichtung trüben oder ablösen. Reinigen Sie Ihre Brille immer von Hand mit lauwarmem Wasser.
Wie oft sollte ich meine Brille reinigen?
Täglich ist ideal. Fingerabdrücke, Hautfett und Staub sammeln sich schnell und führen dazu, dass man unbewusst mit den Fingern wischt, was Kratzer verursacht. Eine kurze tägliche Reinigung unter lauwarmem Wasser und mit dem Mikrofasertuch dauert weniger als eine Minute und hält die Gläser dauerhaft klar. Zusätzlich empfehlen Optiker eine gründlichere wöchentliche Reinigung mit einem Tropfen Spülmittel, bei der auch Nasenauflagen und Bügelgelenke gereinigt werden.
Hilft Atemhauch (Anhauchen) beim Reinigen von Kunststoffgläsern?
Ja, leichtes Anhauchen erzeugt eine dünne Kondensatschicht auf der Glasoberfläche, die das Wischen mit dem Mikrofasertuch erleichtert. Das ist ein guter Trick für eine schnelle Nachpolitur unterwegs. Der Atemhauch alleine ersetzt aber keine richtige Reinigung mit Wasser, da er keine Fettflecken löst. Außerdem sollten Sie bei stark kratzempfindlichen Beschichtungen vorsichtig sein: Mit trockenem Tuch wischen, selbst nach dem Anhauchen, birgt bei sehr feinen Kratzschutzschichten ein geringes Kratzerrisiko.
Kann ich Brillengläser aus Kunststoff mit Alkohol reinigen?
Das hängt von der Beschichtung ab. Reines Isopropanol oder Alkohol über 30% greift viele Antireflexbeschichtungen an. Manche Brillenreinigungssprays enthalten geringe Mengen Alkohol und sind dennoch für Kunststoffgläser freigegeben, weil die Konzentration niedrig ist. Im Zweifelsfall fragen Sie bei Ihrem Optiker nach, ob Ihre spezifische Beschichtung alkoholfest ist. Als Faustregel gilt: Wenn Sie sich nicht sicher sind, verwenden Sie mildes Spülmittel und Wasser. Das ist immer sicher.
Warum bekommt mein Mikrofasertuch Schlieren auf dem Glas?
Ein Mikrofasertuch, das Schlieren hinterlässt, ist entweder verschmutzt oder mit Waschmittelrückständen belastet. Fett aus den Fingern setzt sich im Tuch fest und wird beim Putzen wieder auf die Gläser übertragen. Waschen Sie das Tuch alle 1-2 Wochen bei 30 Grad, ohne Weichspüler und ohne Wäschetrockner. Weichspüler hinterlässt eine leichte Fettschicht im Tuch. Nach dem Waschen kurz an der Luft trocknen lassen, dann ist das Tuch wieder voll einsatzbereit.
Wie erkenne ich, ob meine Brille Kunststoffgläser oder Mineralgläser hat?
Ein einfacher Test: Klopfen Sie mit dem Fingernagel leicht auf das Glas. Kunststoffgläser klingen dumpf, Mineralgläser (echtes Glas) erzeugen einen kleinen Klickton. Außerdem sind Kunststoffgläser bei gleicher Sehstärke deutlich leichter als Mineralgläser. Ihr Optiker kann Ihnen außerdem sofort sagen, aus welchem Material Ihre Gläser bestehen, wenn Sie den Brillenpass oder die Verordnung vorlegen.
Was tun, wenn ein Reinigungsmittel die Beschichtung beschädigt hat?
Wenn die Antireflexbeschichtung sich ablöst, zeigt sich das durch milchige Flecken, blättrige Trübungen oder schillernde Ablagerungen, die sich nicht abwischen lassen. In diesem Fall ist die Beschichtung dauerhaft beschädigt und kann nicht repariert werden. Sie müssen die Gläser austauschen lassen. Sprechen Sie Ihren Optiker an: Er kann prüfen, ob die Gläser noch unter Garantie stehen. Manche Hersteller geben auf ihre Beschichtungen eine Garantie von 1-2 Jahren.