Ein langsam ablaufendes Waschbecken oder eine stehende Pfütze in der Dusche sind klare Zeichen: Das Abflussrohr ist verstopft oder verschmutzt. In den meisten Fällen lässt sich das Problem ohne Fachmann und ohne aggressive Chemikalien beheben, wenn Sie die richtigen Methoden kennen.
Abflussrohre verstopfen durch eine Kombination aus Haaren, Seifenresten, Fett, Kalk und anderen organischen Ablagerungen. Je früher Sie eingreifen, desto einfacher ist die Reinigung. Wer wartet, bis das Rohr komplett blockiert ist, braucht mehr Aufwand.
Diese Anleitung zeigt Ihnen alle wirksamen Methoden, von einfachen Hausmitteln bis zur mechanischen Reinigung, und erklärt, wann ein Installateur nötig ist.
Werkzeuge und Materialien für die Abflussreinigung
Halten Sie folgendes bereit, bevor Sie beginnen:
- Saugglocke (Pömpel / Pümpel): das wirksamste Werkzeug für oberflächliche Verstopfungen
- Rohrreinigungsspirale: für tiefer sitzende Blockaden
- Natron und Backpulver: biologisches Reinigungsmittel
- Essig oder Essigessenz: löst Kalk und organische Ablagerungen
- Kochend heißes Wasser: spült weiche Ablagerungen heraus
- Spülmittel: löst Fettablagerungen
- Gummihandschuhe
- Alter Lappen oder Stöpsel zum Abdichten des Überlaufs
- Eimer für aufgefangenes Wasser
- Schraubenzieher für den Siphon (bei gründlicher Reinigung)
Chemische Rohrreiniger wie Rohrfrei oder Dr. Beckmann sind ebenfalls verfügbar, sollten aber erst nach erfolglosen Versuchen mit Hausmitteln und mechanischen Methoden eingesetzt werden. Sie sind umweltbelastend und können ältere Rohre aus PVC oder Gusseisen angreifen.
Hausmittel gegen verstopfte Abflüsse
Für leichte bis mittlere Verstopfungen reichen häufig Hausmittel aus:
Natron und Essig
Das ist die bekannteste und effektivste Hausmittel-Kombination für Abflüsse:
- Geben Sie 4 bis 5 Esslöffel Natron (oder Backpulver) direkt in den Abfluss.
- Gießen Sie sofort danach 100 ml Essigessenz hinterher. Es entsteht eine schäumende Reaktion.
- Verschließen Sie den Abfluss sofort mit einem Stöpsel oder einem nassen Tuch, damit der Druck nach unten wirkt und nicht nach oben entweicht.
- Lassen Sie die Mischung 30 Minuten einwirken.
- Spülen Sie anschließend mit kochend heißem Wasser nach.
Die Reaktion aus Natron und Essig erzeugt Kohlensäure, die organische Ablagerungen löst. Für regelmäßige Vorbeugung reicht normaler Haushaltsessig (5 Prozent). Für stärkere Verschmutzungen verwenden Sie konzentrierte Essigessenz (25 Prozent).
Kochend heißes Wasser
Bei Fettablagerungen im Küchenabfluss genügt oft kochend heißes Wasser:
- Erhitzen Sie einen vollen Wasserkocher.
- Gießen Sie das kochende Wasser langsam und in kleinen Portionen direkt in den Abfluss.
- Warten Sie zwischen den Portionen 30 Sekunden, damit das Wasser einwirken kann.
Wichtig: Diese Methode eignet sich nur für Metallrohre und ältere Keramiksiphons. Bei Kunststoffrohren aus PVC können Sie stattdessen sehr heißes, aber nicht kochendes Wasser (max. 80 °C) verwenden.
Spülmittel und heißes Wasser
Fettablagerungen lassen sich mit Spülmittel aufbrechen. Geben Sie einen großzügigen Schuss Spülmittel in den Abfluss, folgen Sie mit heißem Wasser und lassen Sie die Mischung 15 Minuten einwirken. Dann mit heißem Wasser nachspülen.
Schritt-für-Schritt: Abfluss mit der Saugglocke freimachen
Die Saugglocke ist das erste mechanische Werkzeug, das Sie einsetzen sollten. Sie wirkt durch Über- und Unterdruck und eignet sich für Verstopfungen, die sich nah am Abfluss befinden.
- Überlauf abdichten: Verschließen Sie den Überlaufschacht im Waschbecken oder in der Badewanne mit einem nassen Lappen. Andernfalls entweicht der Druck durch den Überlauf.
- Wasser einfüllen: Lassen Sie einige Zentimeter Wasser einlaufen, sodass der Pömpel-Rand vollständig bedeckt ist. Das verbessert die Abdichtung.
- Pömpel aufsetzen: Setzen Sie die Saugglocke direkt über dem Abfluss an und drücken Sie sie fest an.
- Auf und ab pumpen: Pumpen Sie kräftig und rhythmisch auf und ab, etwa 15 bis 20 Mal.
- Scharf hochziehen: Ziehen Sie den Pömpel am Ende eines Pumpzyklus scharf nach oben, um maximalen Sog zu erzeugen.
- Prüfen: Schauen Sie, ob das Wasser abläuft. Wenn nicht, wiederholen Sie den Vorgang.
Für die Dusche ist ein flacher, breiter Pömpel besser geeignet als das klassische Modell. Für das WC gibt es spezielle Akkordeon-Pömpel mit mehr Saugkraft.
Rohrreinigungsspirale einsetzen: Schritt für Schritt
Wenn die Saugglocke nicht hilft, sitzt die Verstopfung tiefer im Rohr. In diesem Fall ist eine Rohrreinigungsspirale das richtige Werkzeug.
- Abflusssieb entfernen: Schrauben Sie das Sieb oder Gitter aus dem Abfluss heraus, um Zugang zum Rohr zu bekommen.
- Spirale einführen: Führen Sie die Spirale vorsichtig in den Abfluss ein. Drehen Sie dabei das Handrad oder die Kurbel im Uhrzeigersinn. Drücken Sie die Spirale vorwärts, während Sie kurbeln.
- Widerstand spüren: Sobald Sie Widerstand spüren, haben Sie die Verstopfung erreicht. Kurbeln Sie weiter und üben Sie leichten Druck aus, um die Blockade zu durchbrechen oder aufzulockern.
- Spirale herausziehen: Ziehen Sie die Spirale langsam und drehend heraus. Sie nimmt den gelösten Schmutz mit.
- Mit heißem Wasser nachspülen: Spülen Sie den Abfluss gründlich mit heißem Wasser, um gelöste Reste auszuspülen.
Rohrreinigungsspiralen gibt es in verschiedenen Längen (3 bis 15 Meter) und Durchmessern. Für den Haushaltsgebrauch reicht eine 5-Meter-Spirale für Waschbecken und Dusche. Für tiefer liegende Verstopfungen oder den Küchenabfluss empfiehlt sich eine längere Variante.
Siphon reinigen: Gründliche Methode
Wenn weder Saugglocke noch Spirale helfen und Hausmittel keine Wirkung zeigen, liegt die Ursache oft im Siphon. Der gebogene Rohrbereich unter dem Waschbecken sammelt Schmutz, Haare und Seifenreste und verstopft mit der Zeit vollständig.
- Eimer positionieren: Stellen Sie einen Eimer unter den Siphon.
- Siphon abschrauben: Drehen Sie die Überwurfmuttern von Hand oder mit einer Rohrzange los. Bei älteren Siphons kann Kalk die Verbindungen fest verklebt haben.
- Inhalt entleeren: Der Siphon enthält immer etwas Wasser und Schmutz. Leeren Sie ihn in den Eimer.
- Reinigen: Spülen Sie den Siphon unter fließendem Wasser aus. Entfernen Sie Haare und Ablagerungen mit einer alten Bürste oder einem Draht.
- Wieder einbauen: Schrauben Sie den Siphon wieder fest. Nicht zu stark anziehen bei Kunststoff-Gewinden.
- Auf Dichtheit prüfen: Lassen Sie Wasser laufen und kontrollieren Sie, ob keine Feuchtigkeit an den Verbindungsstellen austritt.
Abflüsse regelmäßig reinigen: Vorbeugung ist einfacher als Entstopfen
Mit wenigen Gewohnheiten verhindern Sie die meisten Verstopfungen:
- Haarsieb verwenden: Ein einfaches Kunststoffsieb über dem Abfluss in Dusche und Badewanne fängt Haare ab, bevor sie ins Rohr gelangen. Das kostet wenige Euro und spart viel Ärger.
- Kein Fett ins Rohr: Gießen Sie Frittierfett und Kochöl niemals in den Abfluss. Fett erstarrt im Rohr und bindet andere Ablagerungen. Geben Sie Fett stattdessen abgekühlt in den Hausmüll.
- Monatliche Natron-Spülung: Geben Sie einmal pro Monat Natron und Essig in alle Abflüsse, auch wenn keine Verstopfung vorliegt. Das verhindert die Ansammlung von Ablagerungen.
- Wöchentlich heißes Wasser: Spülen Sie alle Abflüsse einmal pro Woche mit kochendem Wasser durch. Das löst frische Fett- und Seifenablagerungen, bevor sie sich festsetzen.
- Kein Kaffeesatz in den Abfluss: Kaffeesatz verdichtet sich im Rohr und bildet feste Pfropfen.
Chemische Rohrreiniger: Wann und wie einsetzen
Produkte wie Rohrfrei, Mr. Muscle Rohrfrei oder Bref Rohrfrei sind wirksam bei hartnäckigen organischen Verstopfungen, haben aber Nachteile:
- Sie enthalten meist Natronlauge oder Schwefelsäure und sind ätzend.
- Sie belasten das Abwasser und sind ökologisch bedenklich.
- Bei Kunststoffrohren können starke Laugen langfristig Schäden verursachen.
- Sie helfen nicht bei mechanischen Verstopfungen durch Fremdkörper.
Wenn Sie chemische Mittel einsetzen: Tragen Sie immer Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille. Folgen Sie der Dosierungsanleitung auf der Packung genau. Vermischen Sie chemische Rohrreiniger niemals mit anderen Mitteln, insbesondere nicht mit Essig oder Natron.
Wann Sie einen Installateur brauchen
Manche Verstopfungen sind für Laien nicht behebbar. Diese Anzeichen zeigen, dass Sie einen Fachmann hinzuziehen sollten:
- Mehrere Abflüsse im Haus sind gleichzeitig betroffen. Das deutet auf eine Verstopfung im Hauptabwasserrohr hin.
- Das WC läuft über oder blubbert beim Ablaufen anderer Abflüsse.
- Aus dem Boden oder den Rohranschlüssen dringt Wasser aus.
- Der Abfluss bleibt trotz mehrfacher mechanischer Reinigung verstopft.
- Sie riechen Abwassergeruch aus dem Keller oder ungewöhnlichen Stellen.
In solchen Fällen ist eine Rohrkamera-Inspektion sinnvoll. Ein Fachbetrieb kann damit genau feststellen, wo die Ursache liegt und ob das Rohr beschädigt ist. Kosten für einen Installateur zur Rohreinigung liegen je nach Aufwand zwischen 80 und 300 Euro.
Abflussreinigung in Küche, Bad und Keller: Unterschiede
Je nachdem, wo der Abfluss sitzt, unterscheidet sich die Art der Verschmutzung und damit die beste Reinigungsmethode:
Küchenabfluss: Die häufigste Ursache für Verstopfungen in der Küche ist Fett. Fett geht flüssig in den Abfluss, erstarrt aber im kühleren Rohr und bindet Speisereste, Kalk und Seife zu einem festen Pfropfen. Die Lösung: regelmäßig kochend heißes Wasser plus Spülmittel. Keine Kaffeesatzmittel, keine Lebensmittelreste.
Badabfluss (Waschbecken, Dusche, Badewanne): Haare und Seifenreste sind die Hauptursache. Ein Haarsieb ist hier die effektivste Vorbeugung. Monatliches Reinigen des Siebs und der Abflussöffnung genügt in den meisten Fällen.
Bodenabfluss im Keller: Kellerböden haben oft ältere Abflüsse mit größerem Durchmesser. Hier setzen sich vor allem Kalkablagerungen und Schmutzreste ab. Reinigen Sie diese Abflüsse jährlich mit Natron und Essig. Bei starkem Kalk ist Zitronensäurelösung effektiver als Essig.
Außenabflüsse und Regenrinnen: Laub, Moos und Schmutz können Außenabflüsse blockieren. Reinigen Sie diese mechanisch (Bürste, Wasser) und nicht mit chemischen Mitteln, da diese in das Grundwasser gelangen können.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich meine Abflussrohre reinigen?
Eine vorbeugende Reinigung mit Natron und Essig einmal pro Monat reicht für normale Haushalte aus. Wenn Sie lange Haare haben, einen Haushalt mit mehreren Personen führen oder häufig kochen, können Sie die Routinereinigung auf zwei- bis dreimal im Monat erhöhen. Wer ein Haarsieb verwendet und kein Fett in den Abfluss gießt, muss deutlich seltener aktiv reinigen.
Ist Natron und Essig wirklich so effektiv wie chemische Rohrreiniger?
Bei leichten bis mittleren Ablagerungen und frischen Verstopfungen durch Haare und Seife ist die Natron-Essig-Methode gut wirksam. Bei stark verdichteten, älteren Ablagerungen oder fetthaltigen Pfropfen sind chemische Mittel auf Laugenbasis tatsächlich effektiver. Allerdings lösen chemische Rohrreiniger keine mechanischen Verstopfungen durch Fremdkörper. Für die meisten Alltagssituationen sind Hausmittel in Kombination mit der Saugglocke ausreichend und schonen Rohre und Umwelt.
Kann ich kochend heißes Wasser in Kunststoffrohre gießen?
Rohre aus PVC (Polyvinylchlorid) sind bis etwa 60 bis 70 °C belastbar. Kochendes Wasser (100 °C) kann die Rohrverbindungen über die Zeit weich machen und undicht werden lassen. Verwenden Sie bei Kunststoffrohren heißes, aber nicht kochendes Wasser. Für ältere Rohre aus Gusseisen oder Keramik ist kochendes Wasser dagegen unbedenklich. Wenn Sie unsicher sind, welches Material Ihre Rohre haben, gießen Sie sicherheitshalber nur sehr heißes Leitungswasser.
Was tun, wenn ein Fremdkörper im Abfluss steckt?
Wenn ein Gegenstand wie ein Schmuckstück, ein Spielzeug oder ein größeres Stück Seife in den Abfluss gefallen ist, versuchen Sie zunächst, ihn mit einer Zange oder einem Haken zu greifen. Benutzen Sie auf keinen Fall einen Pömpel, da dieser den Gegenstand tiefer ins Rohr drücken könnte. Öffnen Sie stattdessen den Siphon unter dem Waschbecken. In vielen Fällen liegt der Gegenstand im Siphon und lässt sich dort problemlos entnehmen. Wenn der Gegenstand tiefer liegt, ist eine Rohrkamera-Untersuchung durch einen Installateur nötig.
Warum riecht der Abfluss trotz Reinigung noch?
Unangenehme Gerüche aus dem Abfluss haben oft mehrere Ursachen. Häufig liegt ein ausgetrockneter Siphon vor: Wenn ein Abfluss selten benutzt wird, verdunstet das Wasser im Siphon, das als Geruchssperre dient. Lassen Sie dann einfach etwas Wasser einlaufen. Weitere Ursachen können Ablagerungen hinter dem Siphon sein, die die Reinigungsflüssigkeit nicht erreicht hat. Auch Beläge im Überlaufschacht, der oft vergessen wird, können Gerüche verursachen. Reinigen Sie den Überlauf mit einer alten Zahnbürste und Natron-Lösung.
Kann ich eine Rohrreinigungsspirale auch für das WC verwenden?
Ja, aber verwenden Sie dafür eine WC-Spirale, die speziell mit einem Kunststoffschutz versehen ist. Eine normale Metallspirale kann die Keramik des WC-Beckens zerkratzen. WC-Spiralen haben außerdem einen größeren Durchmesser, der dem WC-Abfluss entspricht. Für einfache Verstopfungen im WC ist zunächst ein Akkordeon-Pömpel die richtige Wahl. Wenn dieser nicht wirkt, dann erst zur WC-Spirale greifen.
Was kostet eine professionelle Rohrreinigung?
Die Kosten hängen vom Umfang des Eingriffs ab. Eine einfache Entstopfung durch einen Installateur kostet in Deutschland je nach Region zwischen 80 und 150 Euro. Wenn eine Rohrkamera-Untersuchung nötig ist, kommen 100 bis 200 Euro hinzu. Bei Verstopfungen im Hauptkanal oder wenn Rohrteile ausgetauscht werden müssen, steigen die Kosten entsprechend. Holen Sie im Zweifelsfall mindestens zwei Angebote ein. Einige Versicherungen, zum Beispiel Hausrat- oder Gebäudeversicherungen, übernehmen Kosten bei bestimmten Rohrschäden.